Die Direktorin der Diabetes- Tagesklinik, Dr. Chea Touch
Schon seit Jahren wurde Dr. Chea Touch im Rahmen ihrer medizinischen Tätigkeit auf
das Diabetes-Problem ihres Landes aufmerksam.
Sie absolvierte ihr Medizinstudium nach der Pol Pot-Zeit und der Rückkehr der französischen
Professoren an der Universität Phnom Penh/ Cambodia. Praktische Kenntnisse konnte Dr. Chea Touch
während zweier Auslandsaufenthalte in Bangladesh und Thailand erwerben.
Das anschließende endocrinologische und cardiologische Fachstudium weckte ihr Interesse an der
Diabetologie, die sie in besonderem Maße vertiefte.
Neben ihrer Tätigkeit als Dozentin im medizinischen Vorlesungsbereich sammelte Dr. Chea Touch
Material über die Diabetessituation ihres Landes und die sehr hohe Zahl der Todesfälle durch
die Spätfolgen der nicht behandelten Krankheit.
Eine Studie der WHO gab die Zahl der Betroffenen mit 5 Prozent der Bevölkerung Kambodschas an.
Die Dunkelziffer dürfte weit darüber liegen.
Sie hörte von Institutionen und Organisationen, die mit ausländischer Finanzierung Studien
zur Erforschung der Diabetessituation in Kambodscha durchführten sollten.
Diese wissenschaftlichen Bemühungen versandeten ohne Ergebnis nach Verbrauch der Gelder.
Dr. Chea Touch sah die Notwendigkeit, besonders der mittellosen Bevölkerungsschicht zu helfen.
Sie beschloß, das Problem von der praktischen Seite anzugehen.
Ein Versicherungs- und Behandlungssystem, wie in westlichen Ländern, gibt es in Kambodscha nicht.
Die Mehrzahl der Bevölkerung lebt von einem Einkommen unter einem Dollar pro Tag, das nicht selten
für 8 oder mehr Familienmitglieder reichen muß.
So sucht man bei Krankheit Hilfe durch Hausmittel und bei traditionellen Heilern.
Die staatlichen ländlichen Behandlungsstationen werden in nur großen räumlichen
zeitlichen Abständen von Schwestern betreut, die sich nur auf Infekte und fieberhafte
Erkrankungen beschränken können.
Nach Rücksprache mit dem Gesundheitsministerium entschloß sich Dr. Chea Touch eine
Diabetesorganisation zu gründen und die erste Diabetesstation Kambodschas einzurichten.
Das Ministerium unterstützt diese Initiative ideell in hohem Maße, ist jedoch zum
jetzigen Zeitpunkt nicht in der Lage, finanzielle Hilfe zu leisten.
Ein leerstehendes Gebäude auf dem Gelände eines großen Hospitals im Zentrum Phnom
Penh's wurde der Initiatorin der Diabetesorganisation kostenlos zur Verfügung gestellt.
Dort begann sie im Mai 2002 mit der Behandlung der ersten Diabetesfälle.
Schon bald stellte sich heraus, daß die Substanz des Gebäudes zwar solide war, dennoch
die Renovierungskosten eine hohe Summe verschlingen würden.
Erschwerend kam hinzu, daß die Räume zur Diabetes-Konsultation im Innern des
Hospital-Komplexes gelegen waren und somit schwer erreichbar für Patienten.
Trotz einiger Hinweisschilder auf die neu entstandene Klinik blieb die Anzahl der Patienten
zunächst gering.
Auf dem gleichen Gelände, aber an einem seitlichen Tor der Umfriedungsmauer des Hospital-Araeals
gelegen gewährte ein Dermatologe Frau Dr.Chea Touch in seiner Klinik einen vorübergehenden
Aufenthalt.
Das Behandlungszimmer war zwar klein, aber günstig gelegen.
Wartemöglichkeiten wurden für die Patienten im Flur eingerichtet.
Nun begann die Zahl der Diabetes-Patienten zu wachsen.
Die Vertretung einer europäischen pharmazeutischen Firma sponserte beiden Kliniken
repräsentative Schilder an der Außenmauer zur Straße hin.
Ende Juli wurden schon über 100 Patienten registriert.
Die Befürchtung Dr. Chea Touch's bestätigte sich sehr bald.
Bei jedem Patienten war mindestens eine Behandlung der Diabeteserkrankung durch Medikamente,
Unterrichtung zur Einhaltung einer Diät und Hygiene erforderlich.
Hinzu traten bei der Mehrzahl der Rat Suchenden Spätfolgen, wie Hypertension, Herz-und
Augenkrankheiten, Durchblutungs- und endokrinologische Krankheiten, Nieren-, Blasen-und Hautinfekte.
Schon nach kurzer klinischer Anlaufzeit war abzusehen, daß der Bedarf an Medikamenten sehr
groß sein würde.
Durch die Folgekrankheiten geschwächt, brachten zudem zahlreiche Patienten Infekte mit,
die die Gabe von Antibiotica erforderlich machten.
Anfang September folgten schon 160 Patienten der Behandlungsmöglichkeit und nahmen dafür
oft beschwerliche Tagesreisen auf sich.
Im Juli sah sich Dr. Chea Touch nach einer Erweiterungsmöglichkeit ihrer Klinik um.
Die Hospitalleitung bot ihr ein Grundstück zur eigenen Bebauung an.
Wiederum war es ein Baugrund ohne direkten Zugang zur Straße, nur durch die dermatologische
Klinik erreichbar.
Erst nach weiteren Verhandlungen fand sich eine optimale Lösung, deren Nutzrecht ihr fest
zugesagt wurde.
Die einzige Bedingung ist, es muß so bald wie möglich gebaut werden.
Nun hofft sie, daß sich bald ein oder mehrere Spender finden, die bereit sind, ihr 6000
bis 8000 Dollar zu finanzieren.
Im September hat Dr. Chea Touch vorerst im Gebäude des Dermatologen einen anderen,
größeren Bereich ausgebaut und bezogen.
Ihr Team besteht jetzt aus drei Ärzten und zwei Medizinalassistenten.
Sie selbst ist nicht nur Initiatorin und Direktorin dieser Diabetesklinik, sie bildet ihr Team weiter
und behandelt tatkräftig einen Teil der Patienten.
Neben dieser Tätigkeit arbeitet sie wissenschaftlich an der Erfassung und Auswertung einer Statistik.
Zur Deckung der Kosten, insbesondere der Personalkosten ist sie in hohem Maße auf Spenden
westlicher Länder angewiesen.
Nur die etwas wohlhabenderen Kranken können diesen Service bezahlen. -
Bis jetzt kann nur einer der Ärzte einen monatlichen Betrag erhalten.
Zum jetzigen Zeitpunkt wird sich die Diabetes-Behandlung nur auf das Stadtgebiet von Phnom Penh
(ca.1 Mio.Einw.) beschränken.
Sobald die medizinische Kapazität dort gesichert ist, plant Dr. Chea Touch, Stationen im ganzen
Land zu errichten.
Ihr Fernziel wird der Auf- und Ausbau der Früherkennung und möglichst einer
Präventivmedizin sein.
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