Kambodscha


Kambodscha ist türkisfarben hervorgehoben

Die südostasiatische Landkarte zeigt Kambodscha (engl. Cambodia) als Pufferstaat zwischen Thailand und Laos im Westen und Vietnam im Osten.

Der Mekong, einer der größten Flüsse der Welt, durchzieht die tropische Ebene. Im Norden des Landes erstrecken sich die letzten Ausläufer des Himalaya. Im Westen und Osten bilden hohe bewaldete Gebirgszüge eine natürliche Grenze.

Kambodscha ist einer der kleinsten Staaten Hinterindiens, und in der Größe der Schweiz vergleichbar. Die Bevölkerung Kambodschas ist austro-indonesischer Herkunft mit melanesischem Einschlag. Sie gehört zu den MON-KHMER-Völkern, einer der ältesten Bevölkerungsgruppen Hinterindiens. Zu etwa 95% besteht sie aus Anhängern des Theravada Buddhismus, der Ursprungsform des Buddhismus.

Als Königreich, vor 30 Jahren, wurde das Land von ca. 7 Mio Menschen bewohnt. Zur Zeit der "Khmer Rouge" (Rote Khmer, 1975-1980) erlitt die Bevölkerung einen Exodus von ca. 3 Mio. Seit Anfang der neunziger Jahre erlebte das Land einen großen Geburtenanstieg, sodaß die Bewohnerzahl heute bei ca. 11 Mio liegt.

Die Situation des heutigen Kambodschas ist in stärkstem Maße beeinflußt durch die Geschichte der letzten 50 Jahre.

Zur Zeit des 1. Indochinakrieges (ca. 1946-54) befand sich Kambodscha als einer der reichsten Staaten der ehemaligen französischen Kolonie Cochinchina in tiefem Frieden. Durch Reisanbau und eine reiche Palette anderer landwirtschaftlicher Produkte wurde ein Bruttosozialprodukt erarbeitet, das einem breiten Mittelstand zu Wohlstand verhalf. Das Gefälle zur unteren Bevölkerungsschicht war zwar groß, jedoch hatten die meisten Arbeit und damit ein bescheidenes Auskommen.


Kambodscha
Da während des Vietnamkrieges sowohl der Vietcong als auch der Vietminh durch den Ho-Chi-Minh-Pfad, der über die unwegsamen kambodschanischen Grenzhöhen verläuft, die Grenzen des Landes überschritten, mußte die königliche Regierung den USA Sonderrechte zugestehen. In der Folgezeit wurden auf diesen, bisher neutralen Boden mehr Bomben abgeworfen, als über Japan während des 2. Weltkrieges. 800000 Menschen kamen dabei ums Leben. Die Gummiplantagen in den Provinzen Krek, Mimot und Kompong Cham , also bis ins Landesinnere Kambodschas, wurden durch Dioxine vernichtet. Politisch erreicht wurde durch diese Zerstörungen nichts.

Die gegensätzlichen ideologischen Probleme der UDSSR, Vietnams und Chinas brachten seit etwa 1973 Unruhen in den Untergrund des Landes. Junge, an französichen Universitäten ausgebildete Kambodschaner, formierten sich in ihrem Heimatland zur chinesisch orientierten kommunistischen Ideologie der KHMER ROUGE, die im Untergrund rasch wuchs.

Während einer Regierungsschwäche, Anfang April 1975, drohte erhöhte Gefahr von Unruhen. Die USA flog die westliche Diplomatie aus dem Land. Am 12. April hatte das letzte Flugzeug das Land verlassen. Damit stand den Kommunisten der Weg nach Phnom Penh frei.


Unabhängigkeitsdenkmal
Am 17. April 1975 besetzten die KHMER ROUGE den Flughafen und zogen von dort als "Befreier" in die Hauptstadt, wo sie sich als solche feiern ließen.

Einen Tag später erzwangen sie die totale Räumung der Millionenstadt innerhalb von 48 Stunden! Alle, Alte, Kranke, Behinderte, Kinder etc. hatten unter Todesdrohung die Stadt zu verlassen. Ein unübersehbarer Treck zog mit meist nur tragbarer Habe stadtauswärts, ins Ungewisse.

Das war der Beginn des leidvollen Weges des Khmervolkes. Durch Hunger und Entkräftung entstanden schnell Seuchen mit Todesfolge. Die wissenschaftliche, religiöse, wirtschaftliche Intelligenz und das Militär wurde meist auf grausamste Weise ermordet oder starb nach Folterungen. Zahllose Familien der Intelligenz wurden bis zum Säugling ausgelöscht und in Massengräbern verscharrt.

Über 2 Millionen der damals 7 Mio Einwohner wurden ermordet. Mindestens eine weitere Millionen ist durch Krankheit, Hunger und Entkräftung ums Leben gekommen. Es existiert keine Familie, in der nicht der Tod zahlreicher Angehöriger zu beklagen ist. Die KHMER ROUGE verloren jedes Maß - und die Welt schloß die Augen vor diesem Massaker. Der Sitz in der UNO blieb den KHMER ROUGE weiterhin reserviert.


Tonle Sap mit Königspalast
Nach 30 Jahren schwersten Bürgerkrieges konnte das Land Ende Mai 1993 die ersten freien Wahlen unter UN-Aufsicht durchführen.

Noch viele Jahre wird es dauern, bis zum Beispiel die medizinische Hilfe für die Bevölkerung selbstverständlich ist. In den Städten gibt es Ärzte und wenige benutzbare Krankenhäuser, aber die Mehrzahl der Einwohner kann sich diesen "Luxus" bei einem Familienverdienst von weniger als $ 1,- pro Tag nicht leisten. Eine Präventivmedizin ist ganz unbekannt.

Westliche Hilfe, ohne die das Land kaum weiterkommen wird, erfolgt nur sehr sparsam. x